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Die Rolle der CT-Bildgebung bei der Erkennung früher postoperativer Komplikationen nach Harnableitung
By Yannick Noel Pollhaus.
Abstract
Hintergrund: Rekonstruktive Harnableitungen, insbesondere im Rahmen einer radikalen Zystektomie, sind mit einem relevanten Risiko für postoperative Komplikationen verbunden. Die frühzeitige und zuverlässige Erkennung von Frühkomplikationen wie Anastomoseninsuffizienzen, Urinleckagen und postoperativen Blutungen ist für die zeitgerechte Einleitung therapeutischer Maßnahmen von zentraler Bedeutung. Die Computertomographie (CT) des Abdomens stellt hierbei ein etabliertes und verbreitetes bildgebendes Verfahren dar. Die klinische Bedeutung speziell nach urologischen Eingriffen wurde bislang jedoch nur unzureichend untersucht. Zielsetzung: Ziel der retrospektiven Studie war es, die diagnostische Genauigkeit der CT-Abdomen-Bildgebung zur Erkennung früher postoperativer Komplikationen nach rekonstruktiver Harnableitung zu evaluieren. Zusätzlich wurde die diagnostische Aussagekraft klinischer Untersuchungsbefunde sowie der laborchemischen Parameter C-reaktives Protein (CRP), Leukozyten, Hämoglobin und Kreatinin analysiert und mit der CT-Diagnostik verglichen. Methoden: Hierfür wurden Patient:innen identifiziert, die zwischen 2004 und 2024 am Universitätsklinikum Bonn eine rekonstruktive Harnableitung erhalten hatten. Einschlusskriterien waren eine erfolgte CT-Abdomen-Bildgebung und/oder operative Revision innerhalb der ersten 30 postoperativen Tage. Die diagnostische Genauigkeit der CT wurde anhand von Sensitivität, Spezifität sowie positivem und negativem prädiktivem Wert für verschiedene postoperative Komplikationen bewertet. Für die drei klinisch besonders relevanten Komplikationen Insuffizienz der Darmanastomose, Urinleckage und postoperative Blutung wurden zusätzlich binär-logistische Regressions- und ROC-Analysen durchgeführt. Ergebnisse: In die Analyse wurden 165 Patient:innen mit frühen postoperativen Komplikationen (Schweregrad Clavien-Dindo ≥ II) nach rekonstruktiver Harnableitung eingeschlossen. Die CT-Abdomen-Bildgebung zeigte über die besonders relevanten Frühkomplikationen hinweg eine hohe Spezifität (87%–98%) und einen hohen negativen prädiktiven Wert (89%–97%), wies jedoch insgesamt eine niedrige Sensitivität (33%–61%) und einen mäßigen positiven prädiktiven Wert (52%–80%) auf. In den Regressionsanalysen stellte ein positiver CT-Abdomen-Befund den stärksten diagnostischen Prädiktor für Insuffizienzen der Darmanastomose (OR 39,2; p = 0,001), Urinleckagen (OR 11,5; p = 0,001) und postoperative Blutungen (OR 34,6; p = 0,001) dar. Ergänzend erwies sich eine Abwehrspannung in der klinischen Untersuchung als diagnostischer Prädiktor für eine Insuffizienz der Darmanastomose (OR 11,2; p = 0,002), während die postoperative Kreatinindynamik ein moderates diagnostisches Potenzial für eine Urinleckage zeigte (OR 1,81; p = 0,006). Schlussfolgerung: Die CT-Abdomen-Bildgebung stellt nach rekonstruktiver Harnableitung ein wichtiges diagnostisches Verfahren mit hoher Spezifität dar. Aufgrund der eingeschränkten Sensitivität eignet sie sich isoliert betrachtet jedoch nicht zur zuverlässigen Detektion relevanter Frühkomplikationen. Auch bei einem unauffälligen CT-Befund können klinisch relevante Komplikationen nicht sicher ausgeschlossen werden. Klinische Untersuchungsbefunde und laborchemische Parameter erwiesen sich für bestimmte Komplikationen als hinweisgebend, zeigten innerhalb der komplikativen Verläufe jedoch insgesamt eine eingeschränkte Aussagekraft. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines individuellen, integrativen und multiparametrischen diagnostischen Vorgehens bei der Erkennung postoperativer Frühkomplikationen nach rekonstruktiver Harnableitung.









