Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie
Volume-Outcome-Effekte in den Leistungsgruppen Endoprothetik Hüfte und Revision Hüftendoprothese: Evidenzbasis für Mindestfallzahlen
By Franz Ehm, Bernd Kladny, Klaus‐Peter Günther and 6 others.
Abstract
Zusammenfassung Hintergrund Krankenhausleistungen dürfen in Deutschland künftig grundsätzlich nur noch innerhalb von Leistungsgruppen (LG) vergütet werden. Die Zuweisung von LG knüpft sich an verschiedene Voraussetzungen zur Sicherstellung der Versorgungsqualität, u. a. an die Erbringung von Mindestvorhaltezahlen. Obwohl für viele Indikationen und Eingriffe Evidenz für die Beziehung von Fallmenge und Ergebnisqualität existiert, fehlt dieser Nachweis auf Ebene der LG. Die vorliegende Arbeit untersuchte erstmalig am Beispiel der Hüftendoprothetik auf Leistungsgruppenebene die Wirkung von Falluntergrenzen auf Ergebnisqualität und Erreichbarkeit für die Bevölkerung und liefert damit Hinweise für potenzielle Mindestvorhaltezahlen. Methoden Zur Messung der Ergebnisqualität kam der Indikator MTL30 bzw. MTL21 zum Einsatz. Dieser fasst Krankenhaussterblichkeit und externe Verlegung binnen 30 bzw. 21 Tagen sowie die darüberhinausgehende Liegedauer in einem Composite-Outcome zusammen. Auf Grundlage der bundesweiten Leistungsdaten nach §21 KHEntgG des Jahres 2024 wurde das Risiko für MTL30 und MTL21 in Abhängigkeit vom Fallvolumen der Krankenhausstandorte und relevanten patientenindividuellen Risikofaktoren mittels Poisson-Regression geschätzt. Für verschiedene Fallzahluntergrenzen wurden Erreichbarkeitsanalysen mit Fahrzeitdaten auf Marktzellenebene durchgeführt. Die Analyseergebnisse dienen zur Ableitung von Empfehlungen für künftige Mindestvorhaltezahlen in den LG 23 Endoprothetik Hüfte und LG 25 Revision Hüftendoprothese durch die wissenschaftlichen Fachgesellschaften. Ergebnisse Die Analyse von 221.698 Fällen, welche im Jahr 2024 deutschlandweit an insgesamt 1.062 Krankenhausstandorten in den LG 23 und 25 erbracht wurden, zeigte einen klaren positiven Zusammenhang zwischen Fallvolumen und Ergebnisqualität. Patient:innen mit geplantem Primärendoprotheseneingriff in LG 23 wiesen in Krankenhausstandorten mit mindestens 100 Fällen gegenüber Standorten mit < 100 Fällen/Jahr ein um 44% reduziertes Risiko für MTL21 bei der Behandlung auf (RR = 0,56 [95%-KI: 0,53; 0,59]). Bei den geplanten Revisionseingriffen in LG 25 sank das Risiko für MTL30 um 24% (RR = 0,76 [95%-KI: 0,68; 0,83]), wenn der behandelnde Standort mindestens 15 Fälle pro Jahr aufwies. Bei diesen Fallzahluntergrenzen betrug die durchschnittliche Fahrzeit zum nächsten Krankenhausstandort in beiden LG weniger als 20 Minuten. Weitere Qualitätspotenziale in den LG 23 und 25 zeigten sich bei Mindestfallzahlen von 150 bzw. 25 Fällen, während die durchschnittliche Fahrzeit unter 25 Minuten blieb. Schlussfolgerung Die vorliegende Arbeit zeigt ein hohes Qualitätspotenzial in den LG 23 Endoprothetik Hüfte und LG 25 Revision Hüftendoprothese bei moderater Konzentration des Leistungsangebotes. Die Autor:innen empfehlen als Untergrenzen für die Primäre Hüftendoprothetik mindestens 100 Fälle, besser 150 und für die Revisionshüftendoprothetik 15 Fälle, besser 25 bei jeweils gegebener Erreichbarkeit innerhalb von durchschnittlich weniger als 20 bzw. 25 Fahrzeitminuten. Damit sind klare Qualitätsverbesserungen ohne nennenswerte Einschränkungen der Erreichbarkeit für die Bevölkerung verbunden.




