Tierärztliche Praxis Ausgabe K Kleintiere / Heimtiere
Schilddrüsenhormon-Profile bei euthyreoten, hypothyreoten Hunden und Hunden mit definiertem Non-thyroidal Illness Syndrome
By Judith Freudenberg, Theresa Schnelten, Holger Volk and 2 others.
Abstract
Zusammenfassung Bei der routinemäßigen Bestimmung von Thyroxin (T4) bei Hunden werden häufig Gesamt-Thyroxin-Werte (TT4) unterhalb des Referenzbereichs festgestellt, die neben einer Hypothyreose auch in einer nicht schilddrüsenbedingten Erkrankung (Non-Thyroidal Illness Syndrome, NTIS) begründet sein können. Ziel dieser Studie war es, TT4-, freies T4 (fT4)-, schilddrüsenstimulierendes Hormon (TSH)-, Gesamt-Triiodthyronin (TT3)-Konzentrationen sowie Thyreoglobulin-Autoantikörper (TgAA) bei Hunden mit NTIS systematisch zu untersuchen und mit gesunden sowie hypothyreoten Hunde zu vergleichen. In dieser retrospektiven Querschnittsstudie wurden Daten aus einer medizinischen Datenbank sowie 272 Restserumproben von Hunden analysiert, die zwischen Mai 2021 und März 2023 an der Kleintierklinik der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover vorgestellt wurden. Neben 40 gesunden Hunden wurden insgesamt 463 Diagnosen von 232 Hunden erfasst und kategorisiert. In der NTIS-Teilstichprobe wurden multiple lineare Regressionsanalysen unter Berücksichtigung von Alter und Erkrankungskategorien durchgeführt. Zusätzlich erfolgten Kovarianzanalysen zu entzündlichen Erkrankungen, Multimorbidität und stationärer Behandlung. Die Übereinstimmung von TT4 und fT4 wurde mittels Spearman-Korrelation und Bland-Altman-Analyse geprüft. 37 Hunden wurden als hypothyreot diagnostiziert. In der NTIS-Gruppe dominierten neurologische (n=125), gastrointestinale (n=63), urogenitale (n=33), kardiale (n=32) und onkologische Erkrankungen (n=31). Innerhalb von 3 Monaten verstarben 6,6% der NTIS-Hunde. Niedrigere TT4- und TT3-Werte waren signifikant mit gastrointestinalen Erkrankungen, stationärer Behandlung, mehr als 3 Komorbiditäten und entzündlichen Erkrankungen assoziiert, fT4 hingegen nicht. TT4 und fT4 waren bei Hunden mit NTIS und Hypothyreose im Vergleich zu gesunden Hunden signifikant reduziert. Gesunde Hunde wiesen signifikant niedrigere logarithmierte TSH-Werte (log[TSH]) auf als Hunde mit Hypothyreose und signifikant höhere log(TSH)-Werte als Hunde mit NTIS. Zudem lagen die log(TSH)-Werte bei Hunden mit Hypothyreose signifikant über denen der NTIS-Hunde. Für TT3 ergab der Gruppenvergleich keine Signifikanz. Hunde mit NTIS zeigen signifikant niedrigere TT4- und fT4-Werte als gesunde Hunde. TSH-Konzentrationen sind bei Hunden mit NTIS signifikant niedriger als bei hypothyreoten und gesunden Hunden. Zusätzlich haben verschiedene Erkrankungen einen unterschiedlich starken Einfluss auf die Schilddrüsenparameter. Die alleinige Bestimmung von TT4 und fT4 reicht zur Diagnose einer Hypothyreose nicht aus, da NTIS vergleichbare Veränderungen verursachen kann. Der sichere Ausschluss anderer Erkrankungen ist für die Interpretation der Schilddrüsenhormonkonzentrationen essenziell.






