Abstract / Summary
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Hypothese bestätigt ist, dass sowohl CHV-1 als auch CBoV-1 nur sporadisch als Abortursache beschrieben werden. CHV-1 ist dabei klinisch relevanter, während CBoV-1 bisher weniger häufig nachgewiesen wurde, vermutlich aber unterschätzt ist. Zusätzlich belegen experimentelle Infektionen eindeutig ihre fetopathogene Wirkung, während Seroprävalenzstudien ein sehr heterogenes Bild zeigen: Für CHV-1 werden Werte zwischen 0 % und 100 % beschrieben, für CBoV-1 zwischen 3,49 % und 50 % (siehe Tabelle 3 und 4). Ein konsistenter Zusammenhang zwischen Seropositivität und Abortraten konnte bislang jedoch nicht belegt werden (56). Ein wesentlicher Grund für diese Diskrepanz liegt in den deutlichen Unterschieden der diagnostischen Verfahren sowie der Studiendesigns, die einen erheblichen Einfluss auf die Ergebnisse haben (siehe Tabelle 1 und 2). Ein Blick in die Daten des Tierspitalinformationssystems (TIS) der Vetmeduni Wien zeigt, dass in den letzten 25 Jahren am Klinischen Zentrum für Reproduktion insgesamt 31 Aborte erfasst wurden, davon 20 ohne bekannte Ursache. Kein einziger Fall konnte als CHV-1-bedingt bestätigt werden. Da an der Universität nicht routinemäßig auf CBoV-1 getestet wird, bleibt unklar, ob und in welchem Ausmaß dieses Virus beteiligt war. Die Datenlage spricht jedoch dafür, dass CHV-1 in Wien, zumindest als Ursache neonataler Mortalität, sporadisch vorkommt.