Monitor Versorgungsforschung
Kosten der ADHS-Versorgung in Deutschland: Analyse von GKV-Routinedaten der Jahre 2017 bis 2023
By P. Timpel, J. Knop, M. Grönig and 3 others.
Abstract
Einleitung: ADHS ist mit einer hohen Krankheitslast und erheblichen direkten sowie indirekten Kosten verbunden, insbesondere im Erwachsenenalter.Für Deutschland fehlen jedoch aktuelle gesundheitsökonomische Analysen mit langen Beobachtungszeiträumen. Methoden: Es wurde eine retrospektive Kohortenstudie auf Basis anonymisierter GKV-Routinedaten (InGef) von 2017 bis 2023 durchgeführt.Die Analyse umfasst prävalente und inzidente ADHS-Patient:innen (<18/≥18 Jahre) mit Fokus auf nicht-medikamentöse Versorgung, direkte Kosten und Arbeitsunfähigkeit.Ergebnisse: 2023 betrugen die durchschnittlichen direkten Gesamtkosten 3.527 Euro (prävalent) bzw.4.250 Euro (inzident) pro Patient und waren bei Erwachsenen deutlich höher als bei Kindern/Jugendlichen. Stationäre Leistungen stellten den größten Kostenanteil dar.14 bis 17 % der Patient:innen nutzten Psychotherapie.8-10% der Patient:innen nutzten Verhaltenstherapie, mit durchschnittlich ~14 Sitzungen/Jahr und Kosten von ~1.5 Tsd.Euro/Patient:in/Jahr. Von 2017 bis 2023 stiegen die direkten Kosten um 43-46%.Der Anteil Erwachsener mit Arbeitsunfähigkeit und deren Dauer nahmen insbesondere ab 2021 deutlich zu.Diskussion: Die ADHS-Versorgung in Deutschland ist mit steigenden Kosten verbunden, die vor allem durch stationäre Behandlungen und psychotherapeutische Interventionen geprägt sind.Eine frühzeitige, kontinuierliche und ambulant-multimodale Versorgung könnte kostenintensive stationäre Leistungen und Produktivitätsverluste reduzieren.



