Monitor Versorgungsforschung
Adipositas in Deutschland: administrative Prävalenz, Komorbiditäten, Mortalität und Behandlungskosten
By T. Nguyen, J. Marschall and T. Tisch.
Abstract
Einleitung: In den letzten zwanzig Jahren ist die Adipositasprävalenz in Deutschland kontinuierlich gestiegen.Gleichzeitig stellen Adipositas sowie ihre Folgeerkrankungen auch eine Herausforderung für die Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften dar, da sowohl die direkten als auch die indirekten Kosten durch die steigende Krankheitslast deutlich zunehmen.Ziel der Studie war es, die administrative Adipositasprävalenz, die Häufigkeit adipositasassoziierter Folge-und Begleiterkrankungen sowie die attributablen Behandlungskosten der Adipositas in Deutschland für das Jahr 2024 zu ermitteln.Methoden: Die Studie basiert auf Abrechnungsdaten der InGef-Forschungsdatenbank mit ca. 10 Millionen GKV-Versicherten aus dem Jahr 2024.Ausgewertet wurde die administrative Prävalenz der Adipositas sowie die Häufigkeit adipositasassoziierter Folge-und Begleiterkrankungen und die 5-Jahres-Sterblichkeit von Versicherten mit und ohne Adipositas.Als Adipositasfälle wurden Versicherte mit mindestens einer gesicherten ICD-10-GM-Diagnose E66.-im Untersuchungsjahr gewertet.Die Behandlungskosten wurden auf Basis der RSA-Zuweisungen des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) ermittelt.Alle Ergebnisse wurden auf die Bevölkerung Deutschlands im Jahr 2024 hochgerechnet.Ergebnisse: Im Jahr 2024 hatten schätzungsweise 9,3 Millionen Personen in Deutschland eine diagnostizierte Adipositas (administrative Prävalenz: 11,8%; Frauen: 12,6%, Männer: 10,9%).Personen mit Adipositas wiesen für nahezu alle untersuchten Erkrankungen deutlich erhöhte Prävalenzen auf -besonders ausgeprägt bei Diabetes mellitus (PR = 3,33), pulmonalen Herzerkrankungen (PR = 2,58), Herzinsuffizienz (PR = 2,56) und Niereninsuffizienz (PR = 2,49).Das relative 5-Jahres-Sterberisiko war insbesondere in jüngeren Altersgruppen erhöht (z.B. Mädchen/Frauen 5-19 Jahre: RR = 2,55; Männer 30-39 Jahre: RR = 2,29).Die Gesamtbehandlungskosten der adipositasassoziierten Erkrankungen beliefen sich auf 14,17 Mrd.Euro, wovon 8,80 Mrd.Euro (62,1%) auf Adipositas zurückzuführen waren.Den größten Anteil verursachten metabolische Erkrankungen (4,71 Mrd.Euro; attributable Fraktion: 82,2%).Diskussion: Adipositas ist in Deutschland mit einer erheblichen Krankheitslast und substanziellen Behandlungskosten verbunden.Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit wirksamer Präventionsmaßnahmen sowie einer evidenzbasierten, leitliniengerechten Versorgung.Frühzeitige verhaltens-und verhältnispräventive Interventionen könnten das Auftreten von Folgeerkrankungen reduzieren und langfristig zur Entlastung des Gesundheitssystems beitragen.



