Abstract / Summary
Zusammenfassung Interstitielle Lungenerkrankungen (ILDs) umfassen eine heterogene Gruppe entzündlicher und fibrotischer Erkrankungen des Lungengewebes. Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) gilt als Prototyp einer progredient verlaufenden Lungenfibrose und ist mit einer besonders ungünstigen Prognose assoziiert. 18–32% der Patient*innen mit ILDs entwickeln im Verlauf eine progrediente pulmonale Fibrose (PPF). Hinsichtlich Prognose und Mortalität sind IPF und PPF vergleichbar und weisen zentrale pathophysiologische Gemeinsamkeiten auf. Die aktuell verfügbaren Antifibrotika können das Fortschreiten progredienter Lungenfibrosen verlangsamen, eine Verbesserung der Lebensqualität und der Mortalität konnte bisher jedoch nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Zudem sind sie häufig in ihrer Anwendung durch Nebenwirkungen limitiert. Daher besteht ein erheblicher Bedarf an wirksameren und besser verträglichen Therapieoptionen. Darstellung aktueller Entwicklungen und neuer pharmakologischer Therapieansätze sowie deren potenzieller Bedeutung für die klinische Praxis. Eine systematische Recherche in PubMed und ClinicalTrials.gov identifizierte relevante klinische Studien zu bisherigen und neuen Behandlungsansätzen. Zu den derzeit am weitesten in der klinischen Entwicklung fortgeschrittenen Substanzen in der Therapie progredienter Lungenfibrosen zählen die Wirkstoffe Nerandomilast und inhalatives Treprostinil. Nerandomilast, ein präferenzieller PDE4B-Inhibitor mit antifibrotischen, antiinflammatorischen und vaskulären Eigenschaften, reduzierte in den FIBRONEER-Phase-III-Studien bei Patient*innen mit IPF und PPF den Abfall der forcierten Vitalkapazität (FVC) signifikant und war mit einem gut handhabbaren Verträglichkeitsprofil sowie günstigen Signalen hinsichtlich des Mortalitätsrisikos assoziiert. Für inhalatives Treprostinil zeigten TETON-2, TETON-1 und die präspezifizierte gepoolte Analyse signifikant positive Ergebnisse für den primären Endpunkt (FVC) und teilweise für die sekundären Endpunkte. Beide Wirkstoffe könnten somit das therapeutische Spektrum progredienter Lungenfibrosen künftig wesentlich erweitern. Die aktuellen Phase-III-Daten zeigen, dass neue Therapieansätze die bislang begrenzten Behandlungsoptionen bei IPF und PPF künftig sinnvoll ergänzen könnten, insbesondere durch neue Wirkmechanismen, zusätzliche Kombinationsmöglichkeiten und potenziell besser verträgliche Therapieoptionen.