Pneumologie
Von Eminenz zu Evidenz: Was gute Tumorboards beim Lungenkarzinom ausmacht
By Gerald Schmid‐Bindert, Carolin Groß-Ophoff-Müller, Aitan Kasumova and 1 others.
Abstract
Zusammenfassung Multidisziplinäre Tumorboards (MDTs) sind zentral für die leitliniengerechte Versorgung von Patienten mit Lungenkarzinom. Obwohl ihre Durchführung mit einer Verbesserung der Versorgungsqualität sowie klinischer Endpunkte assoziiert ist, weisen zahlreiche Studien auf Defizite bei der Entscheidungsfindung und Umsetzbarkeit von MDT-Beschlüssen hin. Gleichzeitig fehlen in Deutschland sowohl verbindliche Prozessstandards als auch belastbare Daten darüber, wie thoraxonkologische MDTs aktuell durchgeführt werden. Ziel dieser Arbeit war es, qualitätsrelevante Faktoren effektiver MDTs darzustellen, etablierte Instrumente zur Qualitätsmessung zu bewerten und Ansätze zur strukturierten Weiterentwicklung der MDT-Prozesse in Deutschland aufzuzeigen. Narrativer Review auf Basis einer fokussierten, nicht-systematischen Literaturrecherche in PubMed/MEDLINE (Februar 2026). Eingeschlossen wurden Originalarbeiten, Reviews, Leitlinien und Konsensuspapiere in deutscher und englischer Sprache. Effektive MDTs sind durch Qualitätsfaktoren gekennzeichnet, die sich in fünf Dimensionen einordnen lassen: Team, Infrastruktur, Organisation, Entscheidungsfindung und Governance. Besonders relevant sind hierbei die Beteiligung aller relevanten Fachdisziplinen, eine kompetente Moderation, eine respektvolle Diskussionskultur, ausreichende Zeit zur Vorbereitung, klare Zuständigkeiten, strukturierte Prozesse und eine nachvollziehbare Dokumentation. Zudem müssen Komorbiditäten, psychosoziale Faktoren und Patientenwünsche für eine patientenzentrierte Entscheidungsfindung berücksichtigt werden. Zur Qualitätsmessung stehen validierte Instrumente wie der MODe-Fragebogen zur Verfügung. Digitale Konferenzformate und IT-Systeme zur MDT-Koordination und Entscheidungsfindung bieten zusätzliches Potenzial zur Prozessoptimierung. MDTs sind für die Versorgung des Lungenkarzinoms unverzichtbar. Ihre Effektivität wird wesentlich durch strukturierte Prozesse und nicht allein durch die medizinische Expertise der beteiligten Fachdisziplinen bestimmt. Für Deutschland besteht ein Bedarf an einer systematischen Erfassung bestehender Strukturen sowie an einer einheitlichen, validierten Qualitätsmessung. Eine bundesweite Bestandsaufnahme und die anschließende prospektive Anwendung standardisierter Instrumente wie des MODe könnten die nationale Evidenzbasis stärken, relevante Optimierungspotenziale identifizieren und die Grundlage für eine kontinuierliche Qualitätsverbesserung thoraxonkologischer MDTs schaffen.






