Zeitschrift für Hebammenwissenschaft
Psychische Gesundheit von Vätern in der Peripartalzeit
By Heike Edmaier and Piroska Zsindely.
Abstract
Zusammenfassung Hintergrund Die psychische Gesundheit von Vätern in der Peripartalzeit gewinnt zunehmend an Bedeutung. Während internationale Studien vor allem individuelle psychische Belastungen und Risikofaktoren beschreiben, ist bislang wenig darüber bekannt, wie psychische Stabilisierung oder Belastung im Zusammenspiel zwischen relationalen Prozessen und institutionellen sowie gesellschaftlichen Bedingungen, insbesondere im Schweizer Kontext, entstehen. Ziel Ziel der Studie war es, relationale Prozesse sowie institutionelle und gesellschaftliche Bedingungen zu untersuchen, die zur psychischen Stabilisierung beziehungsweise Belastung von Vätern in der Peripartalzeit beitragen. Methodik Auf Grundlage qualitativer Interviews mit Vätern wurde eine theoriegeleitete Sekundäranalyse unter Verwendung des bioökologischen Modells nach Bronfenbrenner als heuristischem Analyserahmen durchgeführt. Ergebnisse Psychische Gesundheit zeigte sich als kontextabhängiger relationaler Prozess. Das individuelle Erleben war geprägt von emotionaler Ambivalenz, Ohnmachtserfahrungen und Verantwortungszuschreibungen, während partnerschaftliche Koregulation als stabilisierende Ressource hervortrat. Auf institutioneller Ebene führte eine Diskrepanz zwischen formaler und kommunikativer Einbindung dazu, dass Väter sich nur begrenzt angesprochen fühlten. Zugleich erwiesen sich Leistungsnormen der Erwerbsarbeit als zentrale Referenz für das väterliche Selbstverständnis. Ebenenübergreifend verdichteten sich die Beobachtungen zu wiederkehrenden Spannungsfeldern zwischen übernommener Verantwortung und begrenzten Einflussmöglichkeiten, zwischen Präsenz und Adressierung sowie zwischen Fürsorgeanspruch und beruflichen Leistungsanforderungen. Im Schweizer Kontext sind diese Spannungsfelder vor dem Hintergrund kurzer gesetzlicher Freistellungen und institutioneller Routinen zu betrachten, die die Möglichkeiten väterlicher Präsenz und Teilhabe strukturell begrenzen können. Schlussfolgerung Für die hebammengeleitete Versorgung unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung einer konsequent vätersensiblen Kommunikation und der systematischen Adressierung von Vätern als eigenständige Akteure familienzentrierter Versorgung.





