Abstract / Summary
Zusammenfassung Chronische unspezifische Rückenschmerzen gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für Schmerzen, funktionelle Einschränkungen und Arbeitsunfähigkeit. Degenerative Veränderungen in der Magnetresonanztomographie (MRT) sind auch bei beschwerdefreien Personen weit verbreitet und erklären die Beschwerden häufig nur unzureichend. Neuere Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass die Kombination mehrerer MRT-Befunde klinisch relevanter sein kann als einzelne strukturelle Veränderungen. Bildgebung, medikamentöse Therapien und invasive Verfahren müssen daher kritisch eingeordnet werden und können eine sorgfältige klinische Untersuchung nicht ersetzen. Nach Ausschluss spezifischer Pathologien sollte die Untersuchung funktionelle Einschränkungen, psychosoziale Risikofaktoren und individuelle Bewegungsstrategien erfassen. Eine klinische Klassifikation unterscheidet u. a. Bewegungsdysfunktionen, Bewegungskontrolldysfunktionen, radikuläre Beschwerden und Probleme außerhalb der Wirbelsäule. Sie schafft die Grundlage für eine individualisierte Therapieentscheidung. Bewegungstherapie bildet den Kern der konservativen Behandlung, wobei keine einzelne Trainingsmethode grundsätzlich überlegen ist. Entscheidend ist die Übereinstimmung der Intervention mit dem klinischen Befund. Manuelle Therapie kann den Einstieg in die aktive Rehabilitation unterstützen, während Patientenedukation ungünstige Krankheitsüberzeugungen, Angst und Vermeidungsverhalten beeinflusst. Evidenzbasierte konservative Therapie bedeutet somit, für jeden Patienten zum richtigen Zeitpunkt die passende Intervention auszuwählen.