Zentralblatt für Arbeitsmedizin Arbeitsschutz und Ergonomie
Prävention kardiovaskulärer Risikofaktoren bei Schichtarbeitenden
By Pauline Wernsing, Bastian Schrader, Bernhard Vaske and 3 others.
Abstract
Zusammenfassung Hintergrund Schichtarbeit wird mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Ziel dieser Studie war es, individuelle kardiovaskuläre Risikofaktoren bei Schicht- und Nicht-Schichtarbeitenden zu ermitteln und die Auswirkungen eines individualisierten Präventionsprogramms zu bewerten. Methoden Die prospektive Kohortenstudie umfasste 516 Teilnehmende, darunter 265 Schichtarbeitende (Durchschnittsalter: 46,9 ± 9,5 Jahre) und 251 Nicht-Schichtarbeitende (Durchschnittsalter 45,6 ± 10,7 Jahre). Erfasst wurden Daten zu körperlicher Aktivität, Nikotinkonsum, BMI, Lipidprofil, dem Vorliegen von Erkrankungen wie arterieller Hypertonie und dem psychischen Befinden. Nach der Erstuntersuchung erhielten alle Teilnehmenden eine individuelle Bewertung ihres kardiovaskulären Risikoprofils sowie personalisierte Empfehlungen zu Ernährung und körperlicher Aktivität. Zudem wurden hausärztliche Konsultationen zur Optimierung der Medikation empfohlen. Die Studie umfasste einen 3‑jährigen Beobachtungszeitraum mit Untersuchungen im Abstand von jeweils 12 Monaten. Es ist zu beachten, dass die Ergebnisse nicht adjustiert wurden. Stattdessen basieren sie auf deskriptiven Auswertungen und univariaten Gruppenvergleichen. Ergebnisse Schichtarbeitende wiesen eine höhere Belastung durch kardiovaskuläre Risikofaktoren auf. Der häufigste Risikofaktor war unzureichende körperliche Aktivität (69,7 % vs. 52,8 %; p < 0,001), gefolgt von arterieller Hypertonie (67,8 % vs. 56,8 %; p = 0,002) und Rauchen (23,2 % vs. 8,5 %; p < 0,001). Drei oder mehr gleichzeitig bestehende Risikofaktoren waren bei Schichtarbeitenden häufiger (3 oder mehr Risikofaktoren: 23,4 % vs. 17,1 %; p < 0,001). Umgekehrt war der Anteil der Personen ohne jegliche Risikofaktoren bei den Nicht-Schichtarbeitenden höher (22,3 % vs. 9,1 %). Bei der Nachuntersuchung zeigte sich eine Verringerung der Risikofaktoren, insbesondere von Blutdruck und Raucherprävalenz. Schlussfolgerung Schichtarbeitende weisen ein höheres kardiovaskuläres Risikoprofil auf und stellen eine Hochrisikogruppe dar. Individuelisierte Gesundheitsmaßnamen waren mit Verbesserungen ausgewählter Risikofaktoren assoziiert. Limitation und Stärken Limitationen sind die fehlende Randomisierung und mögliche Verzerrungen durch Selbstangaben. Eine Stärke war der wiederholte Einsatz derselben Interviewer, der eine vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre und höhere Aussagegenauigkeit begünstigte.






