Abstract / Summary
Zusammenfassung Impfungen sind in der Prävention von Infektionskrankheiten unverzichtbar und gewinnen bei Personen mit rheumatischen Erkrankungen besondere Bedeutung. Neben dem Schutz vor Infektionen tragen sie zur Reduktion von Krankenhausaufenthalten, antibiotischem Einsatz, bakteriellen Resistenzen sowie infektionsassoziierten kardiovaskulären Komplikationen bei. Rheumatische Erkrankungen erhöhen – sowie auch Alter, Komorbiditäten und immunsupprimierende oder immunmodulierende Therapien – das Risiko für schwere und opportunistische Infektionen. Daher soll der Impfstatus bereits vor Therapiebeginn überprüft und entsprechend den nationalen Empfehlungen vervollständigt werden. Totimpfstoffe sollten mindestens 2 Wochen, Lebendimpfstoffe mindestens 4 Wochen vor Beginn einer Therapie abgeschlossen sein. Zur praktischen Orientierung dient die Einteilung der Therapien nach dem Ausmaß der Immunsuppression (Grad 0–IIIb), aus der sich Empfehlungen zu Impfungen, Impfzeitpunkten, erforderlichen Therapiepausen, Lebendimpfstoffen und gegebenenfalls Impferfolgskontrollen ableiten. Bei höhergradiger Immunsuppression werden unabhängig vom Alter zusätzliche Impfungen gegen Pneumokokken, Herpes Zoster und Respiratory-Syncytial-Virus empfohlen; bei B‑Zell-depletierenden Therapien sind zusätzliche Impfungen gegen bekapselte Bakterien, wie Meningokokken und Haemophilus influenzae sinnvoll. Unerlässlich sind die Beratung und Immunisierung von Kontaktpersonen. Diagnostische Impfungen zur Beurteilung des Impfansprechens sowie gegebenenfalls postexpositionelle Prophylaxen sind wichtige Bestandteile eines umfassenden Infektionsschutzes. Ziel ist es, Infektionen und deren Folgen durch eine frühzeitige, individuelle Impfstrategie wirksam zu verhindern und die Versorgung immunsupprimierter Patient nachhaltig zu verbessern.