Abstract / Summary
Ein elektrischer Sturm (ES) als Häufung rezidivierender ventrikulärer Arrhythmien (mindestens 3 anhaltende Episoden innerhalb von 24 Stunden) ist ein lebensbedrohlicher Zustand kardialer, elektrischer und oftmals hämodynamischer Instabilität mit hohem Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko, dessen Behandlung eine besondere interprofessionelle Herausforderung darstellt. Demografische und medizinische Entwicklungen sowie die verbesserte Prognose bei strukturellen Herzerkrankungen und fortgeschrittener Herzinsuffizienz haben das Risiko für einen ES trotz verbesserter Versorgungsstrukturen in den vergangenen Jahren erhöht. Rezidivierende ventrikuläre Arrhythmien sind dabei bereits vor Entwicklung eines manifesten ES Ausdruck einer prognostisch bedeutsamen Arrhythmieprogression. Entsprechend ist ein ES oftmals Endpunkt eines Kontinuums progredienter elektrischer Instabilität, das verhindert oder möglichst früh durchbrochen werden sollte. Die Adressierung des zugrunde liegenden arrhythmogenen Substrats, arrhythmogener Trigger und die detaillierte Arrhythmiecharakterisierung bilden unter Berücksichtigung der hämodynamischen Gesamtsituation die Grundlage für Risikostratifikation, Diagnostik und spezifische Therapie des ES. Diese 3 Dimensionen – Substrat, Trigger und Arrhythmie – werden im vorliegenden Positionspapier als STA-Triade des elektrischen Sturms zusammengefasst. Die meisten ES treten bei Menschen mit struktureller Herzerkrankung auf, insbesondere bei ischämischer oder nichtischämischer Kardiomyopathie und damit einhergehender fortgeschrittener Herzinsuffizienz. Seltener liegen primär elektrische bzw. hereditäre Arrhythmiesyndrome zugrunde. Neben der Behandlung reversibler Ursachen stellen Device-Management einschließlich der Reprogrammierung von implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren, antiarrhythmische Medikation, Sedierung, Katheterablation, autonome Modulation, optimierte Behandlung der kardialen Grundkrankheit inklusive Herzinsuffizienz und mechanische Kreislaufunterstützung zentrale Eckpfeiler der spezialisierten Akuttherapie dar. Zentrales therapeutisches Ziel ist die Vermeidung rezidivierender ventrikulärer Arrhythmien und – bei ICD-Trägern – repetitiver ICD-Therapien. Begleitende Herausforderungen und aktuelle Möglichkeiten werden im vorliegenden Positionspapier adressiert.