Prävention und Gesundheitsförderung
Influenzaimpfung in Hausarztpraxen – eine qualitative Interviewstudie zu Organisation, Umsetzung und Einstellungen
By Michael Minor, Elisabeth Plath, Anna Bußmann and 6 others.
Abstract
Die jährliche Influenzaimpfung ist eine wirkungsvolle Maßnahme zum Schutz vor der Erkrankung. In Deutschland liegt die Impfquote deutlich unter den angestrebten Zielen, sodass insbesondere Risikogruppen unzureichend geschützt sind. Entscheidende Faktoren für die Influenzaimpfung bei Patient*innen sind Empfehlungen von Ärzt*innen sowie die kontinuierliche hausärztliche Betreuung. Die Studie verfolgt das Ziel, Einflussfaktoren auf das Impfverhalten zu analysieren und Ansatzpunkte zur Förderung einer impffreundlicheren Versorgungspraxis zu identifizieren. Zwischen Mai und Juli 2025 wurden 6 Hausärzt*innen in teilstrukturierten Online-Interviews befragt. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Kuckartz & Rädiker in MAXQDA. Hausärzt*innen und Medizinische Fachangestellte sprechen Patient*innen aktiv auf die Influenzaimpfung an. Informationsmaterialien und digitale Tools unterstützen ihre Bemühungen, die Impfung niedrigschwellig anzubieten. Die Interviewten gaben an, Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu befolgen. Hausärzt*innen sehen sich selbst als primär verantwortlich für Impfungen. Als zentrale Herausforderungen wurden impfskeptische Patient*innen sowie Zeitmangel im Praxisalltag benannt. Zudem deuten die Aussagen auf organisatorische Hürden wie komplexe Bestellprozesse und unzureichende Vergütung der Influenzaimpfung hin. Die Ergebnisse liefern Einblicke in Impfabläufe in hausärztlichen Praxen und zeigen Herausforderungen auf, die Ansatzpunkte für gesundheitspolitische Weiterentwicklungen bieten. Zukünftige Forschung sollte untersuchen, welche Faktoren die Impfmotivation stärken, welche Rolle finanzielle Anreize bei der Erhöhung der Impfquote spielen und wie der hausärztliche Praxisalltag so gestaltet werden kann, dass impffreundliche Strukturen nachhaltig gefördert werden.



