Abstract / Summary
Zusammenfassung Postpartale psychische Störungen sind weitverbreitet und haben erhebliche Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung sowie die kindliche Entwicklung. Dies ist besonders gut nachgewiesen für postpartale Depressionen, zeigt sich aber u. a. auch bei mütterlichen Angst‑, Zwangs- und Traumafolgestörungen (z. B. nach traumatischem Geburtserleben) und Persönlichkeitsstörungen. Diese Störungen belasten nicht nur die Mutter, sondern das gesamte Familiensystem und erhöhen das Risiko einer transgenerationalen Weitergabe psychischer Belastungen. Die frühzeitige Erkennung und die Bereitstellung spezialisierter, interdisziplinärer Behandlungsangebote sind daher entscheidend. Behandlungsziele sollten dabei die Symptomreduktion ebenso fokussieren wie lebensphasenspezifisch die Förderung der Bindung, die Stärkung feinfühligen Interaktionsverhaltens, die Reaktivierung und Schaffung von hilfreichen Ressourcen und die Verbesserung des elterlichen Kompetenzerlebens. Als ein Interventionsbeispiel wird das multimodale und interaktionszentrierte Behandlungskonzept der Mutter-Kind-Tagesklinik an der Klinik und Poliklinik für Psychotherapie und Psychosomatik des Universitätsklinikums Dresden ausführlich dargestellt. Dabei zeigen sich positive Therapieergebnisse hinsichtlich allgemeiner Symptombelastung, Depressivität und Ängstlichkeit auch langfristig stabil. Dies steht zudem in Zusammenhang mit weniger berichteten kindlichen Verhaltensauffälligkeiten zur Einjahreskatamnese. Gleichzeitig ist der Anteil der Frauen, die zum Entlasszeitpunkt noch unter einer verzögerten Bindung leiden, deutlich verringert. Dies unterstreicht die Wichtigkeit eines frühzeitigen und spezifischen Therapieangebots innerhalb des sensiblen Behandlungszeitfensters im ersten Jahr nach Geburt.