Abstract / Summary
Zusammenfassung Pseudarthrosen stellen eine multifaktorielle Komplikation der Frakturheilung dar. Eine ausschließlich zeitbasierte Definition bildet die zugrunde liegenden Heilungsstörungen nur unzureichend ab und bietet allein keine ausreichende Grundlage für die Therapieentscheidung. Entscheidend ist vielmehr die systematische Analyse der Faktoren, die eine knöcherne Konsolidierung verhindern. Hierzu zählen insbesondere eine mögliche frakturassoziierte Infektion, mechanische Defizite, ein eingeschränktes biologisches Heilungspotenzial sowie patientenbezogene Risikofaktoren. Auch bei klinisch aseptisch erscheinenden Pseudarthrosen muss eine okkulte Infektion berücksichtigt werden. Mechanische Instabilität erfordert eine Wiederherstellung adäquater Stabilität, während biologische Defizite gegebenenfalls eine gezielte Augmentation notwendig machen. Modifizierbare Patientenfaktoren sollten parallel optimiert werden. Da mehrere Ursachen gleichzeitig vorliegen können, sollte die Behandlung nicht allein an zeitlichen oder morphologischen Kriterien ausgerichtet sein, sondern an den individuellen Ursachen der ausbleibenden Frakturheilung. Ein systematisches, ursachengerichtetes Vorgehen ermöglicht damit eine gezielte und bei multifaktorieller Genese kombinierte Therapie.