Abstract / Summary
Zusammenfassung Hintergrund Die Telemedizin in der Intensivmedizin ist in Deutschland bislang weder einheitlich definiert noch standardisiert implementiert. Während die Evidenz überwiegend aus nichtrandomisierten US-Studien stammt, zeigen deutsche randomisierte, kontrollierte Studien ein Potenzial zur Verbesserung leitlinienadhärenter Behandlung. Ziel ist die Entwicklung eines konsensbasierten Kerndatensatzes, der Telekonsile standardisiert, datenbasierte Versorgungsprozesse stärkt und zukünftige KI-gestützte Analysen ermöglicht. Methode Die nach CREDES-Standard durchgeführte Delphi-Studie umfasste drei Runden mit einem Expertenpanel der DGAI. Dokumentationsvorlagen wurden extrahiert, Parameter katalogisiert und iterativ bewertet. Konsensgrenzen steuerten Einschluss oder Ausschluss. Die anonymisierte Datenanalyse erfolgte deskriptiv, ergänzt durch Zustimmungsraten und Konsensniveaus. Ergebnisse Das Expertenpanel umfasste zwölf intensivmedizinisch ausgewiesene Fachärzte. Aus 95 initialen Parametern entstand über drei Delphi-Runden ein Katalog mit 21 obligaten und 73 fakultativen Parametern. Das Konsensniveau stieg von 75 % auf 90 %. Alle Kategorien erreichten stabile Konsenswerte, womit das Abbruchkriterium der inhaltlichen Sättigung erfüllt wurde. Schlussfolgerung Die Studie entwickelt erstmals einen konsensbasierten Anforderungskatalog für einen Kerndatensatz der Telemedizin in der Intensivmedizin. Er ermöglicht standardisierte, datenbasierte Telekonsile und berücksichtigt praktische Machbarkeit. Der vorliegende Katalog kann dazu beitragen, zukünftige Standardisierungsprozesse, Qualitätsentwicklung, externe Validierung und KI-gestützte Anwendungen zu ermöglichen.