Abstract / Summary
Zusammenfassung Hintergrund Intensivmedizinische Maßnahmen am Lebensende korrelieren mit einer verringerten Lebensqualität der Sterbenden. Die regelmäßige Prüfung von Indikation und Patient:innenwille sowie darauf potenziell folgende Therapiezieländerungen (TZÄ) sind daher bedeutsam. Die TZÄ-Dokumentation ist teilweise unzureichend. Ziel der Arbeit Analyse der zur TZÄ-Dokumentation genutzten Begriffe und dokumentierten Maßnahmenänderungen. Material und Methoden Retrospektive Analyse von n = 160 Akten verstorbener Patient:innen von 4 Intensivstationen (je n = 40 Akten) eines Uniklinikums. Deskriptive und qualitativ-inhaltsanalytische Auswertung unter Zuhilfenahme von Excel (Microsoft Corporation, Redmond, Washington, USA) und MAXQDA 24 (VERBI Software GmbH, Berlin, Deutschland). Ergebnisse In 78 % (125/160) der Akten fanden sich Hinweise auf eine TZÄ. Die dafür genutzten Begriffe ließen sich in 11 Gruppen einteilen: „Palliativ“ ( n = 29), „Therapieeinstellung“ ( n = 19), „Best Supportive Care/Symptomkontrolle“ ( n = 18), „Keine Eskalation“ ( n = 13), „Therapielimitierung“ ( n = 11), „TZÄ“ ( n = 10), „Do not resuscitate/do not intubate“ ( n = 10), „Therapieeinfrierung“ ( n = 7), „Konkreter Maßnahmenbezug“ ( n = 3), „Gemischte TZÄ-Begriffe“ ( n = 3) und „Sonstige“ ( n = 2). In der Stichprobe zeigten sich deskriptive Unterschiede in der Häufigkeit der Begriffsgruppen nach Station und Alter. Maßnahmenänderungen variierten partiell zwischen den Begriffsgruppen. So wurde z. B. die maschinelle Beatmung bei „Palliativ“ mit 71 % (17/24) am häufigsten beendet. Diskussion In der Literatur empfohlene Begriffe wurden teils eingesetzt, die Nutzung war jedoch inkonsistent. Maßnahmenänderungen und Begriffsgruppen zeigten nur teilweise ähnliche Muster. Ein einheitlich definiertes Verständnis im Versorgungsteam und eine strukturierte Anwendung der Begriffe könnten die interdisziplinäre Umsetzung von TZÄ unterstützen.